Das Frankfurter Musikleben der vierziger und fünfziger Jahre verdankt Kurt Thomas bedeutende, bis in die Gegenwart fortwirkende Impulse. Eine ganze Generation erfuhr ihre entscheidende musikalische Prägung durch sein Wirken und seine Ausstrahlung als Chorleiter, Komponist und Lehrer.
Als er 1939 seine Professur an der Berliner Musikhochschule aufgeben mußte, um die Leitung des neubegründeten „Musischen Gymnasiums“ in Frankfurt zu übernehmen, trat er ein heikles Amt an, doch die Idee eines Gymnasiums mit Musik als zentralem Fach entstand lange vor der NS-Zeit. Sie geht zurück auf Leo Kestenberg, den Musikreferenten des preußischen Kultusministeriums in den zwanziger Jahren, und lebt in den „Musischen Zweigen“ der höheren Schulen fort. Ihre Fruchtbarkeit erwies sich schon in den wenigen Jahren ihrer Realisierung in Frankfurt.
Zahlreiche namhafte Musiker gingen aus dem Musischen Gymnasium hervor, so die Dirigenten Horst Stein und Hans Drewanz, die Komponisten Alfred Koerppen und Siegfried Strohbach, die Pianisten Werner Hoppstock und Günter Ludwig, der spätere Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch, der Chorleiter und Komponist Clytus Gottwald aber auch der Schauspieler Hans Clarin, die Jazzmusiker Lennie Cujé und Paul Kuhn.
Philipp Clarin, Sohn von Hans Clarin, drehte 2013 den Film „Musensöhne“, der mit Interviews ehemaliger Schüler, historischen Filmaufnahmen und Spielszenen das Musische Gymnasium portraitiert.
Wenn Thomas mit dem Chor seiner Schule eine Bach-Motette darbot, wurde die Leipziger Bach-Tradition seines Lehrers Karl Straube und des Thomanerchors lebendig: Beide Chöre rekrutierten sich, wie zu Bachs Zeiten, ausschließlich aus Knabenstimmen. Da Thomas aber zugleich die Leitung des Cäcilien-Vereins übernommen hatte, waren ihm auch Aufführungen der großen Oratorien von Bach, Haydn, Brahms und Verdi anvertraut - von 1940 bis zur Zerstörung des Saalbaus (1943) und dann nochmals von 1950 bis 1956.
Das Musische Gymnasium wurde 1945 aufgelöst, doch schon bald scharte sich ein Kreis ehemaliger und neuer Schüler um Thomas. In der materiellen und geistigen Not der Zeit faßte er - unterstützt durch Pfarrer Schmidt von der Dreikönigsgemeinde - den Plan, einen A-cappella-Chor zu gründen, eine Idee, die sich als überaus wertvoll und fruchtbar erwies. Jungen Menschen im Umgang mit Werken Bachs und älterer Meister dauerhafte Werte zu vermitteln, ihnen ein geistiges und künstlerisches Ziel aufzuzeigen, all dies inmitten der trostlos zerstörten Stadt - erst aus historischer Distanz läßt sich ganz ermessen, was diese Initiative für das Frankfurter Musikleben und zumal für die Jugend bedeutete. Der Zustrom musikalisch begabter und stimmlich befähigter junger Menschen ließ in kurzer Zeit einen außerordentlich leistungsfähigen, jugendlichen Chor entstehen, der sein Zentrum an der Dreikönigskirche fand, binnen weniger Jahre aber als „Frankfurter Kantorei“ internationales Ansehen errang.
Weitere Inoformationen zu Kurt Thomas:
www.kurtthomas.de
Kurt Thomas und das musische Gymnasium Frankfurt am Main 1939-1945
(Vortrag von Dr. Werner Heldmann,PDF-Datei)
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